Inklusion, Unabhängigkeit und Behinderung – Erwin Riess in der Radio Ö1-Sendung Punkt 1

Freitag, 28. August 2020, 13:00 Uhr
ORF Funkhaus Wien | Radio Ö1, Argentinierstraße 30a, 1040 Wien, Österreich
Moderation: Andreas Obrecht
© Alexander Golser

Der Umgang mit behinderten Menschen in osteuropäischen Ländern und die Rolle der Independent Living Bewegung. Dr. Erwin Riess, Schriftsteller, Behindertenaktivist, Lehrbeauftragter an der Alpen Adria Universität Klagenfurt/Celovec im Gespräch mit Andreas Obrecht (Moderation und Gestaltung) in der Radio Ö1-Sendung PUNKT 1.

Der politische und alltägliche Umgang mit Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen gilt als Gradmesser für die Liberalität oder Illiberalität einer Gesellschaft. Je autoritärer gedacht und regiert wird, desto eher werden Menschen mit Behinderung aus dem öffentlichen Leben exkludiert. Diese Erkenntnis basiert auf leidvollen politischen Erfahrungen, denen sich die 2008 verabschiedete UN-Behindertenrechtskonvention entschieden entgegenstellt.
Die UN-Konvention, die Inklusion und umfassende Teilhabe für Menschen mit Behinderung fordert, ist auch das grundlegende Dokument für die Independent Living Bewegung. Ähnlich wie seinerzeit die Arbeiterbewegung oder auch die Frauenbewegung ist die weltweit agierende Independent Living Bewegung die zentrale Menschenrechtsinstanz für behinderte Menschen. Sie ergreift Partei und mischt sich auch ein – wie derzeit in einigen osteuropäischen Ländern, in denen sich die Situation für behinderte Menschen massiv verschlechtert.
Der Schriftsteller und Behindertenaktivist Erwin Riess problematisiert in seinem jüngsten Roman „Herr Groll und die Donaupiraten“ osteuropäische Behindertenpolitiken und deren Auswirkungen insbesondere auch auf junge Menschen. In der literarischen Fiktion führt die reale Tendenz zunehmender Exklusion zur Emigration einer Gruppe behinderter junger Menschen nach Nordafrika. Gleichsam die verkehrte Welt: Europa – für viele Migrantinnen und Migranten aus Afrika ein Hort der Sicherheit und des Wohlstandes – wird zum dystopischen Schauplatz neuer Polarisierung und Ausgrenzung. (Aus der Sendungsankündigung)


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