(verschoben) Lesung und Gespräch: Ana Marwan aus und über ihre Bücher

Mittwoch, 17. Januar 2024
Wird noch bekannt gegeben, Adresse folgt, Ljubljana, Slowenien
Moderation: Assoc. Prof. Dr. Johann Georg Lughofer und Prof. Dr. Irena Samide
© Una Rebić

Über „Verpuppt“ von Ana Marwan:

Rita findet sich nicht zurecht in der Welt. Stets übt sie sich in Genügsamkeit und Akzeptanz und kommt früh zu der Erkenntnis, dass sich Träume oder Dinge, die verloren gehen, durch andere ersetzen lassen. Durch Beobachtung stellt sie fest: Der Mensch ist ein Gefäß, in das über die Jahre alles hineinkommt von außen – Meinungen, Verhaltensweisen, Gesten … Das Leben betrachtet sie als eine reine Aneinanderreihung von Spielchen; je nach Situation wird diese oder jene Version der eigenen Person zur Schau gestellt und vor sich hergetragen. Was aus ihr werden soll, weiß sie nicht.
Um das Chaos ihrer Welt zu bändigen, schreibt sie Geschichten, gestaltet Wahrheiten, erfindet sich Gefährten wie Ivo Jež, der – wie sie – im Ministerium tätig ist, Abteilung Raumfahrt. Oder handelt es sich um eine andere Art von Einrichtung und Ivo ist ein Mitpatient? Wird Rita therapiert oder wird die Ärztin von Rita manipuliert? Ist der freie Mensch frei oder ist derjenige ohne Zwang, dem die Entscheidungen abgenommen werden? „Jede Geschichte ist eine Gewalt an der Wahrheit“, schreibt Rita einmal. Verstehen wir dies als Einladung, den Wahrheitsgehalt der erzählten Geschichte infrage zu stellen.

„Wechselkröte“: Ausgezeichnet mit dem Ingeborg Bachmannpreis 2022

Zweisprachig (D/SLO) mit der Laudatio von Klaus Kastberger; Übersetzung ins Slowenische von Amalija Maček.

„Die Autorin führt die deutsche Sprache so vor sich her als hätte sie niemals in einer anderen Sprache gelebt. Sie lässt sich vom Deutschen treiben und treibt das Deutsche mit einer aufgerauhten Stimme mit sich und vor sich her.“ (Aus der Laudatio von Klaus Kastberger)

„Wechselkröte“ ist ein Text über das Vorübergehende und das Bedürfnis, Dauerhaftes zu schaffen, über Entwurzelung und den Versuch, sich neu zu orientieren und über Isoliertheit und die Sehnsucht nach Verbindungen.

Über das Debüt „Der Kreis des Weberknechts“:
Karl Lipitsch mag keine Menschen. Er wohnt alleine, da er eine tiefe Abneigung gegen die Gesellschaft hegt und Gespräche meiden möchte. Häufig sitzt er lesend im Garten oder schreibt an seiner umfassenden philosophischen Abhandlung. Doch die Überzeugung, fortan als Einsiedler in Einsamkeit zu leben und damit glücklich zu sein, gerät schnell ins Wanken. Durch einen Zufall (sofern es denn tatsächlich einer war) macht er nähere Bekanntschaft mit seiner Nachbarin Mathilde. Beide umkreisen den anderen, jeder in der Überzeugung, der Überlegene zu sein. Und so beobachten wir Lipitsch bei seinen Bemühungen, ihr nicht ins fein gesponnene Netz zu gehen. Doch je mehr Lipitsch zappelt, desto kräftiger verfängt er sich in Mathildes Fäden…
Ana Marwan ist mit ihrem Roman „Der Kreis des Weberknechts“ ein herrlich ironisches Debüt gelungen. Vor einem klugen philosophischliterarischen Diskurs entfaltet die Autorin ihre feinen Beobachtungen des Zwischenmenschlichen, die sie schonungslos entlarvt und zur Schau stellt.



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