Lesung: Cvetka Lipuš aus „Weggehen für Anfänger“ und Ludwig Hartinger aus Leerzeichen

Dienstag, 14. März 2023
Österreichische Gesellschaft für Literatur, Palais Wilczek, Herrengasse 5 / Stiege 1 / 2. Stock, 1010 Wien, Österreich
© Marko Lipuš | Miriam Laznia

Über „Weggehen für Anfänger“ von Cvetka Lipuš:
„Weggehen für Anfänger“ ist auch für den Fortgeschrittenen zu empfehlen, gibt der Band doch als eine Art Handbuch anschauliche Anleitungen, wie wir all den Abschieden und Abschiednahmen begegnen können: dem schmerzlichen Loslösen, dem entschlossenen Hintersichlassen, der endgültigen Abkehr in Protest oder Resignation. In einem dichten Geflecht heterogener Beobachtungen spürt Cvetka Lipuš in den urbanen Alltag des modernen westlichen Menschen hinein, in die uns umgebenden und auf uns einströmenden Realitäten, dargeboten in überraschenden Perspektiven, ironischen Zuspitzungen und melancholisch-resignativen Stimmungsbildern. Mit der Zeit, die wir vorm Weggehen haben, lässt sich rechnen, verrät ein Gedicht: „Gewesenes wird abgezogen von Künftigem“, so die Formel, deren Ergebnis folgerichtig auf die Gegenwart hinausläuft:
Wir reisen durch sie hindurch / vom Herzschlag bei der Ultraschalluntersuchung – / ein pulsierender Stern auf schwarzem Bildschirm – / bis zum Hinstrecken auf den geraden Strich des Kardiogramms.

Über „Leerzeichen“ von Ludwig Hartinger:
Die Leere, das Leerzeichen, das Dazwischen – was geschieht im Nichts? Geschieht etwas? Seit vielen Jahren füllt der Wortlandstreicher Ludwig Hartinger mäandernd, grenzüber- und -beschreitend seine „dichterischen Tagebücher“. die risse des jetzt sind Fortsetzung und Weiterschreiben zugleich, loten Zwischenräume aus, blicken ins Hinterland der Dichtung. Leerzeichen – die Taste zwischen Worten? Genau, und nicht nur das. Was sich in Ort und Weite, im Schauen, Spüren, Sinnen ereignet und ein/sein Zeichen gibt, ein Wink des Ungesehenen, Unerwarteten, Unausgesprochenen, ein Aufschein des Vorschweigens … Leere – die Erscheinung des Nichts, von Sinnlosem? Im Zwischen geschieht alles, im Innehalten, Hiatus des Glücks, am Rand der gekaperten träume, im gefiederten regen, wenn uns rettet eine schwimmhaut der geste und wärmt unerwartet gekerbte nähe; immer leuchtet/geht im Ab- und Vorhandenen etwas auf, stille murmelt das blatt und trinken wir aus der Leere des Krugs seine Fülle; zwischen Buchstaben, Worten, Bildern träumt Sinn blitzfarn ist erinnern / zuckt durch den leib … Leerzeichen – die Merkzeichen von Übergang und Durchlass, geben Dingen, Gesten, Stimmen ihren Lichthof, ihr Geraum, das wirkt, aufgeht in und um uns. Vers für Vers lesen wir staunend das fließende Diarium eines Säumlings – von Augenblick und Dauer.



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