ABGESAGT | Lesung: Dietmar Krug, Leopold Federmair und Christine Haidegger präsentieren neue Bücher

Donnerstag, 02. April 2020, 19:30 Uhr
StifterHaus, Adalbert-Stifter-Platz 1, 4020 Linz, Österreich
Moderation: Petra Nagenkögel
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Dietmar Krug, Leopold Federmair und Christine Haidegger lesen gemeinsam aus ihren neuen Büchern im StifterHaus Linz.

ZU DEN BÜCHERN:

Dietmar Krug – „Von der Buntheit der Krähen“:
Thomas kehrt nach vielen Jahren in sein Heimatdorf zurück und findet es in einer Art Ausnahmezustand vor: Eine Bürgerwehr hat sich gebildet, aufgestachelt von der Angst vor allem Fremden. In dieser Atmosphäre zwischen Paranoia und Gewaltbereitschaft trifft Thomas seinen Jugendfreund Karl wieder – auch er kehrt nach langer Zeit zurück ins Dorf. Beide waren damals Außenseiter und sind es geblieben. Während Thomas erschöpft und ausgebrannt eine Auszeit nehmen will, ringt Karl sich zu einem späten Coming-Out durch und stellt sich in Frauenkleidern den Dorfbewohnern. Im Verlauf des Romans brechen sich uralte Kränkungen ihre Bahn, entladen sich Jahrzehnte lang schwelende Spannungen plötzlich in offener Aggression. Thomas muss sich verdrängten Wünschen und Sehnsüchten stellen, denn er begegnet auch seiner Jugendliebe Karin, die das Dorf nie verlassen hat – ein Wiedersehen mit überraschenden Folgen.
Dietmar Krug erzählt eindringlich und poetisch von der Kraft des Verdrängten und von der Begegnung mit der Natur, der inneren wie der äußeren.

Leopold Federmair – „Die lange Nacht der Illusion“:
Ein Mann, den es an den Rand der Welt verschlagen hat, wird sich bewusst, dass er an die Grenzen seiner Möglichkeiten gekommen ist. Der Übersetzer hatte sich einst vorgenommen, das Hauptwerk Yukio Mishimas angemessen ins Deutsche zu übertragen, und muss sich nun eingestehen, dass er es nicht schaffen wird. Gleichzeitig sieht er seine halbwüchsige Tochter aufblühen, was ihn nicht nur stolz macht, sondern das Gefühl des Scheiterns verstärkt.
Seine Frau ist aus Tokyo an den Rand Japans gezogen, weil ihre Firma das für notwendig befunden hat. Sie vermisst ihre Tochter, weiß aber auch, dass sie nicht zu ihrem Mann zurückkehren kann. Als sich in der endlosen Regenzeit eine Naturkatastrophe anbahnt, scheinen sich die Verhärtungen zu lösen…
Erneut ist Japan in Leopold Federmairs aktuellem Roman Schauplatz der Handlungen, das ferne Land wird aber mehr und mehr zum vorausweisenden Sinnbild gesellschaftlicher Entwicklungen und Erstarrungen, wie sie sich heute  in vielen Weltgegenden abzeichnen.

Christine Haidegger – „Von der Zärtlichkeit der Wörter“:
Einen Lebensbogen  aus starken, zärtlichen und farbenreichen Gedichten spannt Christine Haidegger in ihrem neuen Lyrikband. Ausgehend von Kindheitserinnerungen aus dem Salzkammergut bis hin zu reflexiven, melancholischen Gedichten über das Altern und den Tod führen uns Haideggers Verse an eine Vielzahl von Orten – über zeitliche und räumliche Grenzen hinweg.
Besonders eindringlich sind die poetischen Momentaufnahmen dort, wo die Natur ihre Macht erhebt – so schneiden etwa die „Wipfel der Fichten / – schwer von Eis – / […] als diamantene Schwerter / in einen Himmel / wie Blut.“ Reisebilder aus Afrika, Montegrotto und Chicago finden wie selbstverständlich ihren Platz neben Beobachtungen vom Werden und Vergehen der Jahreszeiten sowie kühler Urbanität: „Bunte Hochhäuser / verkünden das Nahen der Stadt / Ihre Glasbalkone / sind leer / Nur im sechsten Stock / steht / verloren / ein Fahrrad.“
Die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Autorin beschäftigt sich seit ihrer Schulzeit intensiv mit Lyrik und zeigt auch in ihrem neuen Gedichtband ein wunderbar ungekünsteltes Verhältnis zur Sprache. In ihrer Zurückhaltung treten Haideggers feine Beobachtungen umso stärker und überzeugender hervor.



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