Bernhard Gitschtaler präsentiert sein Buch "Geerbtes Schweigen - Die Folgen der NS-'Euthanasie'" im Rahmen der "Österreich liest"-Woche um 10:35 Uhr im BG Porcia Spittal/Drau

20.10.2017

Bernhard Gitschtaler präsentiert sein Buch "Geerbtes Schweigen - Die Folgen der NS-'Euthanasie'" im Rahmen der "Österreich liest"-Woche um 10:35 Uhr im BG Porcia Spittal/Drau

 

 

 

Freitag, 20. Oktober 2017, 10:35 Uhr

Österreich liest

BG Porcia

Zernattostraße 10

9800 Spittal an der Drau

 

 

 

 

„Irgendwann fragt man nicht mehr und richtet sich im Schweigen ein."

 

Bis zu 300.000 Menschen wurden aktuellen Forschungen zufolge zwischen 1939 und 1945 Opfer der NS-"Euthanasie". Die Erforschung und Aufarbeitung der NS-„Euthanasie“ und deren individuelle und gesellschaftliche Folgen stecken jedoch noch in den Kinderschuhen. Bis heute ist es beinahe unmöglich die Namen der "Euthanasierten" öffentlich zugänglich zu machen. In diesem Werk begibt sich Bernhard Gitschtaler auf die Suche nach den Gründen und Folgen des Verschweigens und Verdrängens, welches einer der interviewten Nachfahren als „Schlimmer als Tot. Ganz vergessen.“ bezeichnete.

Nicht selten ist der Grund die direkte oder indirekte schuldhafte Verstrickung einzelner oder mehrerer Familienmitglieder in den Mordprozess vermeintlich beeinträchtigter Verwandter. Aber auch die gesellschaftliche Stigmatisierung dieser Opfergruppe – vor, während, und nach der NS-Herrschaft – wird als Hindernis, welche eine Aufarbeitung und somit Verarbeitung der erlebten und geerbten Traumata der Nachkommen verhindern, identifiziert. Dem Autor gelingt es österreichische Familien bei der Suche nach ermordeten Vorfahren zu unterstützen und den innerfamiliären, zumeist von massiven Konflikten begleiteten Aufarbeitungs- und Auseinandersetzungsprozess von bis zu drei Generationen in einer Familie zu begleiten. Das erste Mal wird nicht nur über "Euthanasie"-Opfer und deren Nachfahren gesprochen, sie selbst sind es, die zu Wort kommen.

Gitschtaler macht sich im Werk aber nicht nur auf die Suche nach Spuren der NS-"Euthanasie" und des jahrzehntelangen Verdrängens der Verbrechen, sondern fragt auch nach Perspektiven und Unterstützungen für betroffene Nachfahren.

 

 

"Jahrzehnte danach geht es nicht mehr um 'offene' Wunden, sondern beinahe ausschließlich um tiefe, seelische Verletzungen und Traumatisierungen, die das Leben vieler Menschen bis heute begleiten und beeinflussen. Wunden, die ebenso präsent wie unsichtbar sind."

 

 

 

 

BERNHARD GITSCHTALER,

1987 in Villach/Beljak geboren und aufgewachsen im Gailtal. Nach der Matura im Borg Hermagor, studierte er Politikwissenschaften und Internationale Entwicklung an der Universität Wien sowie Soziale Arbeit an der FH-Campus Wien. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Alpe-Adria Universität Klagenfurt und ist  Gründungsmitglied und Obmann des Vereins Erinnern-Gailtal. Neben seiner Tätigkeit als Politikwissenschaftler und Autor ist er Vorstandsmitglied des Mauthausen Komitee Österreich und Mitarbeiter beim Projekt Commit der Caritas Wien.

 

 

Verein Erinnern Gailtal

Ziel des Vereins ist es, die Zeit des Nationalsozialismus im Gailtal wissenschaftlich zu erforschen und darüber hinaus öffentlich zu thematisieren. Besonders die Namen und Lebensläufe der Opfer im und aus dem Gailtal sollen ausfindig gemacht werden, um sie zurück ins kollektive Gedächtnis zu rufen und so ein würdiges Gedenken zu ermöglichen.